 |
Leserbrief
zu Stierkampf-Promo |
Ihre letzte Sendung "Radio Bremen - 3
nach 9"
Stierkampf-Promo. 22.03.03
an 3nach9@radiobremen.de
Leserbrief von Viola Kaesmacher, 14.02.04
www.tierlobby.de
und www.antistierkampf.de
| "Ausgerechnet
eine deutsche Fotografin gilt in Spanien als Spezialistin
für Stierkampf. Ein Plädoyer für
eine Vorliebe, die uns eher fremd ist."
Anya Bartels ist "verführt" beim
Anblick dieser, wie sie es nennt, Kunst, die eine
tiefste Verneigung gegenüber dem Tier ausdrücke.
"Ein Pfeil in die Seele" empfindet sie
beim Anblick dieser Poesie. Dieser Schönheit
zwischen Natur und Mensch. Verständnis hat
sie für Abneigung gegen den Stierkampf, der
für "Laien" wie Tierquälerei
aussieht, denn: 10 Sekunden reichen nicht, um
diese Kultur zu begreifen. Die spanische Stierkampf-Szene
sei eine der warmherzigsten und tierliebsten Welten.
Tiere werden hoch geachtet. Der Stier habe 4 Jahre
lang ein wunderbares Leben und sei "König
auf seiner Wiese".
Liebe Redaktion,
mir ist richtig schlecht vor Wut. Leider habe ich
verspätet eingeschaltet, so dass ich nicht
die gesamte Stierkampf-Diskussion verfolgen konnte.
Das, was ich mitbekommen habe, war allerdings der
absolute Hammer.
Diese in schönen Worten gekleidete Polemik
strotz geradezu vor falschen Tatsachen. Das Bild
vom glücken Kampfstier auf der Wiese ist vielleicht
eine romantisierte Vorstellung der 50er Jahre. Es
gibt aktuelle Videoaufnahmen von den Transporten,
Vorbereitungen und den üblen Haltungen dieser
Stiere. Als Stichworte: Elektroschocker, Hörner
schleifen, übelste Manipulationen an den Tieren.
Bei Interesse: info@anti-corrida.da,
Mechthild Mench von anti-corrida/animal2000 www.anti-corrida.de
Das Wortpaar "Spanien" und "Tierliebe"
lässt sich mir den Magen umdrehen. Haben Sie
von so genannten Blut-Fiestas gehört, die nahezu
jede spanische Ortschaft veranstaltet? Ziegen von
Kirchtürmen werden, Hühnern bei lebendigem
Leibe die Köpfe abreißen, das "Eselreiten"
- ganz zu schweigen von dem Umgang mit Hunden: Stichwort
Galgos und Podencos. Jagdhunde, die wie Kriminelle
im Mittelalter gehängt werden. Kultur? Kunst?
Arme Welt. Und arme Stiere. Denn sie werden nicht
nur in den Arenen (mehr oder weniger "professionell")
geopfert - tausende weitere werden bei den spanischen
Festen zu Tode gequält: als lebende Dartscheiben,
als lebende Fackeln usw. Ausführliche Beschreibungen
finden Sie hier: http://www.tierlobby.de/stierkampf/spanien.htm.
Und die Stiere sind nicht die einzigen Opfer. Es
werden auch Umengen an Pferden "verbraucht",
denen man übrigens die Stimmbänder durchtrennt,
damit die Zuschauer nicht von den Schmerzenschreien
gestört werden. Auch haben Sie seit 1928 einen
Flankenschutz. Nicht aus Mitleid. Hervorquellende
Därme, über die sie stolpern sind hässlich
für die Gaffer und gefährlich für
die "Kämpfer".
Dass Menschen wie "Anya" Bartels vom spanischen
König gelobt werden, ist nun wirklich kein
Wunder, wirbt sie doch für die spanische Tierquälerei-Propaganda
(anderen Deutschen, wie z.B. Elke Roßmann,
wird von den Spaniern die Hölle heiß
gemacht - ganz aktuell momentan auf Teneriffa wegen
Ihrer Bemühungen zum Schutze der so genannten
"Waldhunde") . Und das kommt den Spaniern
gerade recht, wollen Sie diese "Kunst"
doch so weit wie möglich exportieren - nach
Kolumbien, nach Guatemala, der Versuch in Portugal
ist im Begriff zu scheitern - auch in Russland zum
Glück gescheitert. Selbst in El Salvador werden
schon die Grundsteine gelegt... Die Stierkampflobby
(ich bin versucht, Stierkampf-Mafia zu sagen) lässt
sich immer ausgefeiltere "PR-Kampagnen"
einfallen: Benifiz-Stierkämpfe für Krebsgesellschaften,
für notleidende Kinder etc. Ach was sind das
doch für barmherzige Menschen - und sparen
dadurch nebenbei auch noch Steuern.
Es ist kein Sport (zu unfair), es ist keine Kunst
(Kunst hat was mit Göttlichkeit oder zumindest
tieferer Bedeutung zu tun), es ist keine Tradition
(es ist Barbarei aus grauer Vorzeit, die leider
in Spanien immer noch anhält) es ist: Ein mörderisches,
sehr lukratives GESCHÄFT.
Und das wird auch noch von der EU subventioniert.
Allein die Kampfstierzüchter erhalten nach
Berechnungen von Tierschützern 210 Mio. Euro.
Das "Proyecto Minotauro" (9 Städte,
die sich zusammengeschlossen haben, um effektiveres
Pro-Stierkampf-Marketing zu betreiben) versucht
gerade, von der EU Fördergelder in Höhe
von 1,3 Mio. Euro zu bekommen. Es liegen Anträge
bei der UNESCO vor, diese Tierquälerei als
unantastbares Weltkulturerbe anzuerkennen.
Wenn man diesen Hintergrund kennt, können Sie
sich vielleicht vorstellen, wie wütend mich
diese Frau, ihr Buch und die Werbung dafür
in Ihrer Sendung macht. Sicherlich gibt es immer
so ne und solche Meinungen. Allerdings finde ich,
dass bei einem SO brisanten Thema auch schlagfertige
Gegenargumente hätten kommen müssen. Ich
hatte zwar das Gefühl, dass die Moderatorin
versucht hat, der Pro-Stierkampf-Polemik ein bisschen
contra zu geben, allerdings ist das natürlich
schwer, wenn man die Problematik nicht kennt. Die
"Pro-Argumente" dieser Stierkampflobby-Frau
waren allerdings die typischen, dummdreisten Floskeln,
die ich täglich zu hören kriege und sämtlichst
entkräften kann.
Die persönliche Meinung allerdings, "rührt
meine Seele positiv an" etc. naja - da kann
ich nur entgegnen: arme, herzlose Frau. Und hier
ein Zitat von Rilke, der ja so gerne als Stierkampf-Verfechter
hergenommen wird: "Wenn der Mensch doch aufhörte,
sich auf die Grausamkeit der Natur zu berufen, um
seine eigene zu entschuldigen! Er vergisst, wie
unendlich schuldlos auch noch das Fürchterlichste
in der Natur geschieht." Also sollten die Stierkampf-Fans
ganz offenzugeben: Jawoll, wir sind Sadisten, die
sich am Leid fühlender Geschöpfe aufgeilen.
Stierkampf zeigt, wie toll der Mensch doch ist und
wie schön wir die nichtmenschlichen Tiere austricksen
können. Ein Hoch auf die Gewalt, der Stärkere
hat Recht und die "Krone der Schöpfung"
darf sich nehmen was sie will.
Ich habe versucht, über die "Fotografin"
etwas zu erfahren - fand aber lediglich einen Stierkampf-Fan
bei meinen Recherchen. Die Argumentation "Menschen
töten nun mal Tiere, um sich zu ernähren"
hat in dieser Thematik gar nichts zu suchen. Hier
gehts nicht um Nahrung, sondern um Belustigung -
Tiermord als Unterhaltung. "Vorgefertigte Meinungen"
der Stierkampf-Gegner? Ich muss nicht per Du mit
der Kinder-Porno-Szene sein, noch nicht mal ein
entsprechendes Video sehen, um zu sagen: Das tut
den Kindern weh und ist nicht richtig, sondern ist
zu recht verboten. So wie Tierquälerei.
Bewunderung kann ich absolut nicht empfinden und
der Applaus für diese Frau fühlte sich
an wie eine schallende Ohrfeigen an jeden Tierschützer.
DAS war ein Pfeil in MEINE Seele. Bewunderung empfinde
ich für MUTIGE Leute, die sich den Tierquälern
und Helfershelfern entgegenstellen, die nicht bunte
Fotos von der Ehrenloge schießen, sondern
undercover-Videos von den Hintergründen drehen.
Die nicht Loorbeeren vom spanischen König sammeln,
sondern bei den europäischen Parlamenten "klinken
putzen", um mit sachlichen Präsentationen
den Greueltaten Einhalt zu gebieten.
Ich würde es toll finden, wenn Sie einmal so
jemanden einladen würden. Oder zumindest jemanden,
der auch die Contra-Seite repräsentatiert.
Hier übrigens Dank an Peter Lohmeyer, der beim
Anblick des Gemetzels jeglichen Respekt vor diesen
Stier"kämpfern" verloren hat und
das schwach und traurig findet.
Viele Grüße [Ich habe übrigens
nichts dagegen (im Gegenteil) wenn Sie dieses
Mail an die "Künstlerin" weiterleiten.
Ich wünsche ihr mit ihrem Buch einen saftigen
Miss-Erfolg.]
Viola Kaesmacher
www.tierlobby.de
www.antistierkampf.de |

|
|
|
|

Tägliche News: erhalten
Sie per E-Mail, wenn Sie sich in den Tier-Info-Newsletter
einschreiben lassen. Bitte kurz beschreiben, wer Sie sind
und warum Sie sich für den Newsletter interessieren:
mail. Wir
empfehlen auch das Abonnement des
tierlieb.net-Newsletters.

Aktuelle Aktionen: das IfT
startet und unterstützt verschiedene Initiativen. Informationen
finden Sie hier
|
|