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Der
Wolf in den Medien - NDR-Beitrag |
Zur
Seite: Jagd und Wölfe - Pressespiegel
Zu: "Reizthema Wölfe - Finnische
Jäger contra Naturschützer"
vom 28.03.2004 (Autor: Thilmann Bünz / NDR)
Infotext im Internet zum Beitrag (www.weltspiegel.de)
- Verglichen mit dem Originaltext der Sendung noch
"gemäßigt", Tendenz jedoch erkennbar
- Während der gesamten Sendung wird "Gefährlichkeit"
des Wolfes suggeriert, keinerlei substanzielle Gegenrede
- Natürliche Prädationsabläufe wurden
als "unfair" hingestellt usw.
| "Die Männer in
Karelien, im Osten Finnlands, haben zwei klare
Prioritäten: sie lieben Snowscooter und sie
hassen Wölfe. Timo ist Jäger und er
hasst die Wölfe als unfaire Konkurrenten.
Denn der Wolf darf jagen, er steht unter Naturschutz
und er hat viele Freunde. Die Jäger aber
dürfen nicht dagegenhalten. Wer einen Wolf
schießt, muss 10.000 Euro Strafe zahlen
und verliert seinen Waffenschein. Timo zeigt uns
einen Elch, bzw. was von ihm übrig blieb.
„Ein Wolfsrudel hat das Tier offensichtlich
angefallen. Wahrscheinlich drei Tiere. Einer hat
ihn dann von hinten angegriffen, die Sehnen der
Beine durchgebissen und damit den Elch bewegungsunfähig
gemacht. Dann sind sie zu dritt über das
liegende Tier hergefallen. Meistens essen sie
auf der Stelle alles auf, lassen nur die größten
Knochen übrig.“ Nachts fahren die Männer
mit ihrem Snowscooter auf Patrouille, um die Missetaten
der Wölfe zu dokumentieren. Im Winter laufen
die Tiere gerne auf der Straße, anstatt
im meterhohen Schnee. So lassen sich ihre Bewegungen
gut verfolgen. Die Bauernhöfe von Familie
Jussi und Familie Rärinne liegen nur einen
Steinwurf von der russischen Grenze entfernt.
Im Grenzgebiet zu Russland verlaufen auch die
Wanderwege der Wölfe. „Er machte einen
Sprung Richtung Tür zum Kuhstall. Ich packte
die Heugabel und machte ganz schnell die Tür
zu. Ich habe meinem Mann Bescheid gesagt und als
ich zurückkam, da war der Wolf dabei sich
zu trollen“, erhält Paula Rärinne.
Die Wölfe interessieren sich nicht für
Menschen, sondern für das Vieh. Deshalb leben
Hunde hier ziemlich gefährlich. Junge Wölfe
nehmen sie gerne als Zwischenmahlzeit, wie sich
Wildhüter gerne ausdrücken. Oft bleibt
nur das Halsband übrig. Die Bauern werden
zwar entschädigt, aber es bleibt ein ungemütliches
Gefühl. In Finnland gibt es zur Zeit etwa
hundert Wölfe. Die Menschen, die sich in
Naturschutzverbänden und in der Europäischen
Union für ihr Überleben einsetzen, wohnen
vorzugsweise in Großstädten. Menschen,
die mit den Wölfen in engerem Kontakt leben,
zählen meist nicht zu ihren Freunden."
Filmautor: Tilmann Bünz/NDR |
Hier der Zuschauerbrief von Wolfgang Epple:
| Sent:
Monday, March 29, 2004 11:30 AM
Subject: Weltspiegel, Sendung 28.03.2004; Reizthema
Wölfe
Sehr geehrte Damen und Herren,
gestatten Sie, dass ich mich als "treuer",
regelmässiger Zuschauer des "Weltspielgel"
an Sie wende. Mit der Ausstrahlung des Beitrages
"Reizthema Wölfe - Finnische Jäger
contra Naturschützer" am 28.03.2004
(Autor: Thilmann Bünz / NDR) hat der Weltspiegel
massiv gegen die journalistische Sorgfaltspflicht
verstoßen.
Ganz im Gegensatz zur wenigstens noch dialektischen
Ankündigung des Beitrages, kommen im Film
und insbesondere auch im Text des ganz offensichtlich
tendenziös agierenden und daher mit dem Thema
überforderten Autors keine "Natuschützer"
bzw. auch keine unabhängigen, unvoreingenommenen
Fachleute zu Wort, die den vom Autor kolportierten
Inhalt hätten richtig stellen können.
Mit Floskeln wie "schlechter Ruf der Wölfe
ganz zu recht", "Zähne, die einen
Fuß durchbeißen können"
usw. war dieser als "Reportage" getarnte,
schlampig und einseitig (auf Kosten der Gebührenzahler)
recherchierte Beitrag garniert.
"Am Ende waren wir froh", hieß
es sinngemäß am Schluß des Tendenzberichtes,
"dass die Wölfe während drei Tagen
Distanz gehalten haben..." Am Ende wären
wir froh gewesen, möchte man sagen, lieber
keinen als solch einen Beitrag vorgesetzt bekommen
zu haben.
Zur unseriösen, fast bösartigen Tendenz
Ihres fachlich und sachlich überforderten
Autors gehört auch das Hörensagen, das
er sowohl in der Sendung verlautbaren ließ
als auch in den Internet-Auftritt des Beitrags
gestellt hat. So klingt das auch an Jägerstammtischen,
so hätten es die Jäger gern. Aber so
möchten Naturfreunde in der Stadt und auf
dem Land (ich selbst bin auf dem Land groß
geworden, und habe immer auf dem Land gewohnt)
nicht verdummt werden: "die Menschen, die
sich in Naturschutzverbänden und in der Europäischen
Union für ihr Überleben einsetzen, [...]
vorzugsweise in Großstädten wohnen.
Menschen, die mit den Wölfen in engerem Kontakt
leben, zählen meist nicht zu ihren Freunden."
Sie haben sicher Verständnis, dass der
Beitrag von Thilmann Bünz einer entsprechenden
öffentlichen Würdigung unterzogen werden
wird. Denn es scheint gerade beim NDR so zu sein,
dass Themen über Arten im Interessenkonflikt
dort zunehmend einseitig und tendenziös kolportiert
werden. Man fühlt sich an das notorisch ausgestrahlte,
fehlerstrotzende Tendenz-Machwerk von Frau Runte-Plewia
"Invasion der Krähen - Schonzeit für
eine Landplage" erinnert ("ARD-exclusiv";
Erstausstrahlung 30.11.2001).
Oder ist es nur Zufall, dass solche Beispiele
unseriöser Tendenzberichterstattung gerade
aus diesem Funkhaus kommen?
Deshalb erhalten von diesem Brief einige Internetportale
des seriösen Umgangs mit Wildtieren eine
Kopie. In meiner nächsten Buchpublikation
werde ich den Beitrag entsprechend aufarbeiten.
Ich bedaure, dass mit meinen Gebühren einem
solchen "Journalisten" die Möglichkeit
ungefilterter, einseitiger Tendenz gegeben wurde.
Und dass mir als treuem Zuschauer Ihrer Sendung,
von der man besseres gewohnt ist und erwarten
darf, etwas dermaßen Schlampiges und Dürftiges
zugemutet wurde.
Um zu lernen, wie mit Konfliktthemen des Naturschutzes
seriös umgegangen werden kann, empfehle ich
Ihrem Autoren T. Bünz, durchaus mal bei kleineren
Sendeanstalten auf den entsprechenden Plätzen
zu recherchieren und sich kundig zu machen. Als
Beispiel: Die Sendung "Beo & Co."
des Saarländischen Rundfunks.
Mit freundlichen Grüssen
Dr. Wolfgang Epple
Biologe/Ethologe |
Die Resonanz vom Sender, Karola Baier, 13.04.04
| Beitrag: "Finnland:
Der Wolf ist los"
Sehr geehrter Herr Epple,
vielen Dank für Ihr Interesse an unserer
Sendung. Schade, dass Ihnen als erklärtem
Wolfsfreund unser Bericht aus dem finnischen Teil
Kareliens nicht gefallen hat.
Es ist ein guter Grundsatz der Reportage, vor
Ort zu gehen, dort Eindrücke zu sammeln,
Stimmungen aufzunehmen und journalistisch aufzuarbeiten.
Unsere Auslandskorrespondenten haben die Aufgabe,
das zu berichten, was sich vor Ort abspielt. Das
hat Tilmann Bünz getan. Eine Reportage in
diesem Sinn ist immer eine Momentaufnahme und
keine die absolute Wahrheit beanspruchende wissenschaftliche
Abhandlung, die versucht, allen möglichen
Aspekten eines Themas gerecht zu werden.
Nun kann man von einer Reise nach Karelien keine
Eloge auf den scheuen Wolf erwarten, kein Gegenstück
zur Rotkäppchenlegende. Es ist nicht Aufgabe
einer Reportage, an einer neuen Legende zu stricken.
Dort wo die Menschen mit den Wölfen in engeren
Kontakt treten, ist die Begeisterung nicht so
groß. Karelien ist eben kein Wildpark, sondern
ein besiedeltes Gebiet. Man kann es den Bewohnern
nicht verübeln, dass sie sich mit dem Phänomen
"Wolf im Kuhstall" nicht anfreunden
wollen. Auch wenn der Staat Entschädigungen
zahlt: es gibt ein Angstgefühl, das sich
nicht durch Geld aufwiegen läßt.
In den grenznahen Ortschaften werden alle Schulkinder
mit dem Bus abgeholt und zur Schule gebracht,
weil die Eltern Angst um deren Sicherheit haben.
Das mag übertrieben sein, aber wer will das
beurteilen? Es ist Ihr gutes Recht, eine andere
Meinung zu vertreten. Unser Korrespondent hat
das berichtet, was er vorgefunden hat und auch
wir - die Redaktion - maßen uns aus der
Ferne nicht an, den Betroffenen ein Recht auf
ihre Angst abzusprechen. Es gibt nun mal Menschen,
die Wölfe nicht als unmittelbare Bereicherung
ihres Lebens empfinden. Sie wissen, wovon sie
reden, sie leben mit ihnen.
Mit freundlichen Grüßen
Karola Baier
Redaktionsgruppe Ausland FS |
... und nochmal Antwort von Dr. Epple, 13.03.04
|
Sehr geehrte
Frau Baier,
Ihre Antwort ist letztlich selbstredend. Sie
sagen, es sei nicht Aufgabe einer Reportage, an
einer neuen Legende zu stricken. Genau das hat
der schändlich unausgeglichene Bericht über
die Wölfe Kareliens aber getan, den offenbar
Sie redigiert haben.
Ich wohne die meiste Zeit in einem Forsthaus
mitten im Böhmerwald, und trotzdem in besiedeltem
Gebiet. Ich kenne hier bei meinen Nachbarn die
Vorurteile gegen den Luchs, der durch illegalen
Abschuss wieder Gefahr läuft, ausgerottet
zu werden. Ihre Belehrung darüber, dass Karelien
kein Wildpark ist, sondern besiedeltes Gebiet,
ist völlig fehl am Platz. Sie wirft aber
ein bedrückendes Licht darauf, dass auch
Sie die Ignoranz Ihres Berichterstatters hinsichtlich
des Themas teilen, und warum bei Journalisten
solchen Zuschnitts diese Naturthemen in denkbar
schlechten Händen sind. Wölfe gehören
in solch armer Gedankenwelt "in den Wildpark"
(die Luchse des Böhmerwalds wohl auch).
Ganz Europa ist, wenn Sie einmal darüber
nachdenken wollten, mit Ausnahme der Eiswüsten
der Hochgebirge, überwiegend "besiedeltes
Gebiet". Es ist gerade dies die Herausforderung
an uns und unsere Zukunft, Wege zu finden, das
von uns noch nicht Unterworfene der Restnatur
hinüber in eine gemeinsame Zukunft von Mensch
und der ihn umgebenden Schöpfung zu retten.
Aber, ich betreibe vergebliche Müh', wenn
Sie allen Ernstes nach über zwei Wochen Bedenkzeit
die Schwäche der Recherche, die böse
Tendenz (selbst in der Aufmachung), das ungefilterte
Transportieren eben von Legende in jenem Bericht
noch immer nicht erkannt haben, oder besser: nicht
erkennen wollen. Von Ihrer Kollegin Margarete
Runte-Plewnia aus dem NDR kamen seinerzeit fast
wortgleich ähnlich abwegige Belehrungen darüber,
was eine Reportage ist, um ein unsäglich
tendenziöses, in jenem Fall darüberhinaus
schlimm fehlerbefrachtetes Machwerk über
Rabenvögel zu verteidigen.
Wir sind solche Ergüsse gewohnt. Sie werden
entsprechend zu würdigen sein.
So auch Ihre inhaltlich und sprachlich wieder
tendenzbefrachtete Einlassung. Aber glauben Sie
wirklich, dass "Nicht-Journalisten"
üble, vorgefasste Tendenz nicht erkennen
können? Auch ohne Scheinchen aus der Journalismus-Schule
kann erarbeitet werden, wie eine seriöse
Reportage auszusehen hat. Für wie dumm halten
Sie Menschen wie mich, dass Sie mir diese nur
scheinbar freundliche, vor Selbstüberhebung
eines ganzen Berufstandes strotzende Antwort zumuten?
Wo auch immer Sie Ihr "Handwerk" gelernt
haben, der Erfolg erscheint fragwürdig. Oder
ist solche "Verteidigung" angesichts
der fast austauschbaren Formulierungen gleich
mit"gelernt"? Man gewinnt fast den Eindruck
einer gewissen argumentativen "Gleichschaltung".
Apropos: "Sie wissen, wovon sie reden, sie
leben mit ihnen" (siehe mein Hinweis zum
Luchs im Böhmerwald; was soll denn hier anklingen?
- Welch ein kurzgedachter Irrtum: Viele Menschen
"leben mit etwas", ganz nah, ganz täglich,
und wissen - weil im Asyl der Ignoranz - dennoch
nicht, fundiert darüber zu reden; das ist
Ihnen unbekannt? Denken Sie mal an die Verfolgung
Ihres Geschlechts als Hexen in Deutschland: Die
Leute lebten mit ihnen, ja es waren die Nachbarn,
die sie denunzierten; "sie wußten,
wovon sie reden." Selbst der Klerus im fernen
Rom hatte in jenen dunklen Jahren finsteren Aberglaubens
mehr direktes Wissen über Menschlichkeit
als die "Hexenkenner" Deutschlands vor
Ort....).
Hierzu nur soviel noch: Ich bin kein Wolfsfanatiker;
ich bin auch Freund der Beutetiere des Wolfs,
und der Schulkinder, die er angeblich frisst...Ein
"erklärter Wolfsfreund" aber, das
gereicht einem Menschen - ob im Wolfsgebiet oder
fernab - heutzutage schon zur Ehre, wenn man sieht,
was sich auf der "anderen Seite" an
Hass und Unwissen tut und tummelt, und was Ihre
Sendung "geschickt" kolportiert, ja
völlig unnötig noch angeschärft
hat. Die Ängste und Vorurteile der Menschen,
aber eben auch die komplexen Fakten, Voraussetzungen
und Notwendigkeiten der Koexistenz zwischen Mensch
und Wolf sind mir aus mehreren Reisen in Wolfsgebiete
(seit meinem 16. Lebensjahr, also seit 35 Jahren)
und aus unmittelbarer eigener Anschauung bekannt
und ich habe sie "begriffen".
Ich habe persönlich besonders viel Erfahrung
sammeln können und müssen im Umgang
dieser unserer bornierten (Medien-)Gesellschaft
mit "unliebsamen Arten". Die Macht der
Medien-"Macher" scheint unbegrenzt.
Sie hat - wie im Falle Ihrer Sendung - jedenfalls
oftmals verheerende Folgen für die oben angesprochene
Zukunft von Mensch und Natur. Niemand erwartet
von einem (in diesem Falle offenbar völlig
fach- und naturfremden) Journalisten, der mal
schnell "wo hinreist", eine "Eloge",
egal für wen und was, auch nicht für
ihm unsymphatische Geschöpfe der Natur.
Aber: "Sich-kundig-Machen" über
ein so sensibles Thema, das darf man erwarten
und muss man Ihnen nach Ihrem eigenen anmaßenden
Anspruch zutrauen dürfen. Das hat auch nichts
mit einer wissenschaftlichen Abhandlung zu tun,
wie Sie mir als Erwartung unterstellen (annähernd
wortgleich mit Ihrer Kollegin Runte-Plewnia).
Sie arbeiten aber für ein öffentlich-rechtliches
Medium. Deshalb gibt es für Ihre Arbeit gesetzliche
Grundlagen, an die Sie wohl erinnert werden müssen.
Und: Immerhin finanziere ich mit meinen Gebühren
Ihr Gehalt, was ich für Ihre Person angesichts
dieses Schriftwechsels nun bedauern muss.
Der Weltspiegel hat 14 Tage später - nach
Ihrer Einlassung nun nicht mehr überraschend
- in Sachen Schüren von Wolfshass noch einen
draufgelegt. Vermutlich kennen Sie meinen offenen
Brief dazu (im Internet nachlesbar). Dem ist nichts
hinzuzufügen.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Wolfgang Epple
Nachsatz: Da Sie nach über zwei Wochen noch
immer so etwas wie "Stolz" auf den Beitrag
über die Wölfe in Karelien durchblicken
lassen, werden Sie sicher nichts dagegen haben,
dass ich Ihre Belehrung über Sinn und Zweck
einer Reportage an die beteiligte und überwiegend
beschämte Öffentlichkeit weiterreiche.
Was also ist "journalistische Aufarbeitung"
im Falle Ihrer Anti-Wolfshetze gewesen? |

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